Was Sie wissen sollten

Vor dem Erwerb von Abwehrspray, Pfefferspray oder CS-Gas Spray (Tränengas), sollte man sich erst einmal mit ein paar grundlegenden Fragen beschäftigen:

  • Was eigentlich ist Pfefferspray und woraus wird es hergestellt?
  • Welcher Unterschied besteht zwischen Pfefferspray und CS-Gas Spray (Tränengas)?
  • Wie kann ich mich damit schützen?
  • Welche Auswirkungen hat Pfefferspray auf den Angreifer?
  • Was gilt es zu beachten um Pfefferspray in Deutschland legal zu erwerben, mitzuführen und einzusetzen?

Um Ihnen die Beantwortung dieser Fragen zu erleichtern, möchten wir Ihnen gerne Hilfestellung geben. Bitte bedenken Sie dabei, das diese Informationen nur unsere persönliche Meinung darstellen – in keinem Fall einer Rechtsberatung gleichkommt. Dazu sollten Sie sich an einen Anwalt oder eine Beratungsstelle wenden.
Der richtige Umgang mit Pfefferspray sollte geübt werden und der Einsatz des Sprays darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Was ist Pfefferspray?

Mit dem Kurznamen „Pfefferspray“ bezeichnet man allgemein eine Sprühdose, aus der zur Gefahrenabwehr ein Reizstoff mit dem Namen „Oleoresin Capsicum“ ( OC ) versprüht wird. Der Wirkstoff Capsaicin ist ein rein natürliches Mittel und wird aus einer handelsüblichen roten Chili-Schote, z.B. „Teja Variety Chilis“ gewonnen.

Wie lässt sich die Stärke von Pfefferspray messen?

Die jeweilige Stärke des Pfeffersprays wird in Scoville angegeben, benannt nach dem US-amerikanischen Pharmakologen Wilbur Scoville (1865-1942). Dieser entwickelte das ursprüngliche Messverfahren 1912, sowie eine entsprechende Skala in Scoville-Grad (SCU für Scoville Units, oder auch: SHU für Scoville Heat Units). In dieser Tabelle wird das Verhältnis zwischen dem Wirkstoff, hier Capsaicin, und der zur Verdünnung verwendeten Flüssigkeit, hier Wasser, festgestellt. Vereinfacht ausgedrückt, man benötigt ca. 15 Millionen Milliliter (15.000 Liter) Wasser um die Schärfe von 1 Milliliter reinen Capsaicin nicht mehr schmecken zu können.

Beispiele Grad Scoville
Peperoni 200 – 500
Tabasco 2.500 – 5.000
Habanero 100.000 – 350.000
Pfefferspray 2.000.000 und mehr

Technische Ausführungen

Um die Abwehrsprays besonders effektiv zu machen und auch damit eine schnelle und reibungslose Nutzung in Gefahrensituationen möglich ist, wird Pfefferspray in Sprühdosen abgefüllt. Wird der Knopf der Sprühdose betätigt, wird der Wirkstoff mit Hilfe eines Treibmittels freigesetzt. Da es unterschiedliche Einsatzsituationen gibt, hat man verschiedene Sprühdüsen entwickelt, man unterscheidet zwischen Nebel (fog), Schaum (foam), Gel (gel) und Strahl (jet). Je nach Sprühart werden so unterschiedliche Distanzen im Bereich von ca. 1,5 bis 7 Meter erzielt.

Neben den handelsüblichen Sprühdosen gibt es auch noch die Möglichkeit eine sogenannte Pfefferpistole oder auch englisch Peppergun zu erwerben. Form und Nutzen sind „normalen“ Pistolen nachgebildet.

Wirkung von Pfefferspray

Trifft der Reizstoff direkt das Gesicht des Angreifers, so tritt meist augenblicklich folgende Wirkung ein:

Augen
Wird das Pfefferspray gezielt auf die Augen gerichtet, so tritt beim Angreifer ein sofortiger, brennender Schmerz auf. Damit einhergehend wird der krampfartige Schluss der Augenlider erzwungen und es tritt eine Schwellung der Augenbindehaut auf. In vielen Fällen tritt zeitgleich ein starker Tränenfluss auf, der zu einer vorüber gehenden Erblindung von rund 30 Minuten führen kann. Natürlich kommt es immer auf die Stärke des Pfeffersprays und auf die Zielgenauigkeit an, aber in der Regel kann man davon ausgehen, dass die betroffene Person schlagartig dazu gezwungen wird, die Augen zu schließen und auch für längere Zeit geschlossen zu halten. Das gibt dem Opfer die Möglichkeit, sich wenn nötig zu befreien und die Flucht anzutreten. Sollte der Angreifer Kontaktlinsenträger sein, so kann ein Angriff mit Pfefferspray für ihn noch stärkere Auswirkungen haben. Grund hierfür ist, der sich ansammelnde Wirkstoff zwischen der Kontaktlinse und dem Auge. Ist der Wirkstoff einmal hinter die Kontaktlinse gelaufen, so lässt er sich nur schwer wieder raus spülen und zwingt den Angreifer zur Aufgabe seines Vorhabens.

Atmung
Auch für die Atmung ist der Kontakt mit Pfefferspray mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Atmet der Angreifer den Reizstoff ein, werden die Atemwege augenblicklich gereizt. Das führt zu unkontrollierbarem Husten und Sprechschwierigkeiten. In vielen Fällen tritt, je nach Stärke des Pfeffersprays, Atemnot auf, die beim Angreifer Angst und Panik auslösen kann. Nicht in wenigen Fällen führt der Kontakt von Pfefferspray mit den Atemwege auch zu Krämpfen im Oberkörperbereich, die den Angreifer dazu zwingen, sich unwillkürlich nach vorne zu beugen um den Schmerz minimal zu lindern und das Atmen wieder zu erleichtern. Die Wirkung hält in den meisten Fällen zwischen 3 und 15 Minuten an. Um die Flucht zu ergreifen, sollte diese Zeit also allemal ausreichen. Ist die angreifende Person Asthmatiker, muss sogar mit massiven Krämpfen gerechnet werden und sollte der Angreifer unter Kreislaufproblemen oder Bluthochdruck leiden, so führt ein Angriff mit Pfefferspray zu starken Kreislaufproblemen. Das kann sogar so weit gehen, dass eine ärztliche Behandlung aufgrund der auftretenden Symptome notwendig wird.

Haut
Ein Angriff mit Pfefferspray hinterlässt auch auf der Haut sichtbare Spuren. So kommt es in der Regel zu starkem Juckreiz und einem andauernden Schmerz der bis zu 60 Minuten anhält. Nebenbei kann die Haut mit erheblichen Entzündungsreaktionen reagieren und auch Schwellungen und Blasenbildung sind bekannte Reaktionen auf den Kontakt mit Pfefferspray.

Fazit
Der korrekte Einsatz von Pfefferspray führt in der Regel immer dazu, dass der Angreifer sofort handlungs- bzw. kampfunfähig wird und von seinem Opfer ablässt. Sollte es also einmal zu einem Notfall kommen, dann zögern Sie nicht und setzen Sie Ihr Pfefferspray als Notwehr gegen den Angreifer ein. Durch gezieltes Sprühen kann es Ihnen gelingen einen Angriff frühzeitig abzuwehren und sich in Sicherheit zu bringen. Sollte es Ihnen ungefährdet möglich sein, beobachten Sie den Angreifer weiterhin und verständigen Sie unverzüglich die Polizei.

Unsere Empfehlungen für Sie

  • Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie ausschließlich Pfefferspray kaufen, das eindeutig als Tierabwehrspray gekennzeichnet ist und somit im Sinne des deutschen Waffengesetztes nicht als Waffe gilt.
  • Versuchen Sie immer möglicher Gewalt präventiv aus dem Weg zu gehen und aufkeimende Konfliktsituationen zu vermeiden oder zu deeskalieren.
  • Bevor Sie vorschnell handeln, prüfen Sie im Ernstfall immer zuerst ob es eine Fluchtmöglichkeit gibt oder ob sich die Situation mit einer friedlichen Lösung beruhigen lässt.
  • Das mitgeführte Tierabwehrspray sollten Sie immer nur ausschließlich dann gegen Menschen richten, wenn es keine andere Lösung mehr gibt und wenn nachweislich ein rechtswidriger Angriff auf Sie vorliegt, der zu einer Notwehrsituation geführt hat, der Sie sich nicht entziehen konnten.
  • Pfefferspray darf ausschließlich in Notwehrsituationen eingesetzt werden und auch dann nur in sparsamen Dosierungen.
  • Wenn Sie Ihr Pfefferspray einsetzen, bedenken Sie bitte immer, dass der Einsatz im Nachhinein äußerst kritisch geprüft wird und Sie sich unter Umständen strafbar gemacht haben, falls keine tatsächliche Notwehrsituation vorlag!

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die vorgenannten Informationen Ihrerseits lediglich als Hinweise zu betrachten sind. Sie stellen keine Rechtsberatung dar. Um sich umfassend über die die aktuelle Rechtslage beraten zu lassen, empfehlen wir Ihnen, einen Anwalt zu konsultieren.